Ausgehend von der ab 1984 entstandenen, oft zitierten, programmatischen Reihe „Der Inhalt der Gefässe" entwickelte Alois Lichtsteiner in den vergangenen 15 Jahren kontinuierlich sein eigenständiges, künstlerisches Werk, welches auf den Punkt gebracht die Malerei als Malerei thematisiert.

Durch die bewegte Pinselführung, den ausgeprägten, pastosen Duktus betont Lichtsteiner Farbe als Material, als Farbhaut gleichsam. „Das Wichtigste einer Malerei ist für mich ihr Bildkörper und die Farbhaut" . Es überrascht deshalb nicht, dass Lichtsteiner bei seiner „Motivsuche" auf die Birkenrinde, besser die sich ablösende Birkenhaut gestossen ist, und diese zum Hauptthema seiner malerischen Recherche und nunmehr auch dieser, nach 1998 zweiten Einzelausstellung bei Jamileh Weber gewählt hat. Ein feiner Bogen spannt sich somit um den ihm wichtigen Begriff der Haut.

Wie schon in früheren Werkreihen bewegen sich auch die Birken-Bilder im Spannungsfeld zwischen abbildender und selbstreferentieller Malerei. Im Jahresbericht des Kunstmuseum Bern, schreibt Hans Rudolf Reust treffend: „Die Birken-Bilder loten den ungewohnten Bereich zwischen einer unmittelbaren, unweigerlich figürlichen Assoziation und einem unabhängigen, repetitiven Farbauftrag aus. Mit ihrer unverkennbaren Fleckenstruktur eröffnet die Birkenrinde der Malerei unzählige Variationsmöglichkeiten, welche die sinnliche Präsenz der Farbe, ihres Auftrags, mit einer abstrakten Komposition in einem scharf bemessenen Bildformat verbinden."

In einer weiteren neue Werkreihe, den als „Bücher" bezeichneten Diptychen, nähert sich Alois Lichtsteiner seinem Thema mit Hilfe von zwei monochromen Farbtafeln. Hervorgegangen aus den in der Galerie Jamileh Weber 1998 erstmals gezeigten „Bilderstapeln" (an die Wand gestellte, oder vertikal geschuppte Farbflächen), verzichtet Lichtsteiner in diesen Arbeiten vordergründig auf Gegenständlichkeit, schliesst durch den Titel aber gleichzeitig ein Motiv mit ein. Ähnlich funktionieren die „Landschaften", die durch eine klare Zweiteilung der Leinwand in „Himmel" und „Erde" eine reale Landschaft implizieren aber im Grunde reine, abstrakte Malerei bleiben.

Alois Lichtsteiner wurde 1950 in Ohmstal, Kanton Luzern geboren. 1970 Abschluss der Schulen mit Primarlehrerdiplom. Danach verschiedene Tätigkeiten in handwerklichen Beruf. 1974 folgt eine längere Reise durch Nord- und Zentralafrika. 1975-1978 Kunstgewerbeschule Zürich (Diplom). Mitglied der Künstlergruppe SILO Bern (1980-1983). SILO Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Bern und im Kunsthaus Zürich. Eidgenössisches Kunststipendium 1983 und 1984. Wichtige Einzelausstellungen Lichtsteiners im Kunstmuseum Sion (1989), der Kunsthalle Bern und im Kunstverein Freiburg i.B. (1992). 1989/90 Aufenthalt in Paris, Stipendium Kanton Bern. Seit 1994 Gastdozent an der Ecole Cantonale des Beaux-Arts in Sion. Lebt und arbeitet in Murten und Paris.

Die Ausstellung Alois Lichtsteiner bei Jamileh Weber dauert vom 10. Februar bis 18. März 2000. Die Vernissage findet statt am Mittwoch, den 9. Februar von 18-20 Uhr.

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