![]() |
||
![]() |
||
![]() |
||
| "Auf der Basis meiner vielseitigen und weitreichenden Zusammenarbeit glaube ich fest daran, dass der Kontakt von Mensch zu Mensch auf dem Wege über die Kunst wirksame friedliche Kräfte in sich birgt und der am wenigsten elitäre Weg ist, ausgefallene und alltägliche Informationen miteinander zu teilen, die uns hoffentlich zu gegenseitigem Verständnis führen können." (Robert Rauschenberg, 1991)
1982 setzte eine Phase im Werk von Robert Rauschenberg ein, die ganz im Zeichen einer intensiven Zusammenarbeit mit Künstlern und Handwerkern anderer Kulturen stand. Er folgte Einladungen nach China und Japan, arbeitete in traditionellen Betrieben und eignete sich neue Techniken an. Die Methode seiner frühen „Combine Paintings" übertrug er nun in diese fernöstlich inspirierten Werke. In den „Japanese Recreational Clayworks" (Japanische Erholungs-Tonarbeiten) beschäftigte Robert Rauschenberg sich mit dem Werkstoff Ton und den Motiven der japanischen Keramiker. Auf einer Ostasienreise im Sommer 1982, wurde er von der Otsuka Ohmi Ceramics Company in das kleine japanische Dorf Shigaraki bei Osaka eingeladen, um dort mit Kunsthandwerkern zusammenzuarbeiten, die sowohl für ihre traditionellen, speziell für die Teezeremonie angefertigten Töpferwaren als auch für ihre massenhaft produzierte moderne Keramik bekannt waren. Das Unternehmen hatte unlängst eine Technik zur Herstellung grosser, dünner Keramiktafeln mit malerischen Motiven entwickelt, die als „Kunstkeramik" bezeichnet wurden und vor allem als innen- und aussenarchitektonische Dekorationselemente beliebt waren. Die Vorbilder für die zwei in der Ausstellung gezeigten Arbeiten „Artegian Spring" (1983) mit der Reproduktion eines Ausschnittes des Gemäldes "Die Geburt der Venus" von Sandro Botticelli (1486; Uffizien, Florenz) und „Gilt" (1983) mit der Reproduktion der „Nackten Maya" von Francisco de Goya (1789-1805; Museo del Prado) lieferten zwar Inkunabeln der westlichen Kunstgeschichte, entdeckt hatte er die Motive jedoch auf eben diesem japanischen Geschirr der Massenproduktion. Der Hersteller verwendete hierfür speziell geeignete auf Fotografien basierende Abziehbilder. Über diese legte er seine eigenen Fotografien, die er auf seinen Reisen nach Osaka, Kyoto und Nagoya gemacht hatte. Auch malte er mit farbigem, das ganze Spektrum umfassendem Glasurschlamm für hohe Brenntemperaturen von Hand direkt auf die Abziehbilder. Die Abziehbilder wurden dann auf die Keramikplatten übertragen und durch Brennen fixiert. Neben den beiden erwähnten frühen Beispiele der „Japanese Recreational Clayworks", zeigen wir in der Ausstellung vier weitere, kleinformatige Keramikarbeiten, alle 1989 entstanden, die ausschliesslich auf Bildmaterial von Robert Rauschenberg aufgebaut sind. Diese Verwendung von abgeklatschten und abgezogenen Bildern in Verbindung mit Aufträgen von einem in Glasurschlamm getränkten Pinsel auf einer anderen Oberfläche als Leinwand oder Papier antizipierte gewissermassen Rauschenbergs Vorgehensweisen bei den Metallgemälden, die er in den späten achtziger sowie neunziger Jahren entwickeln sollte. Gleichzeitig zeigt die Galerie Jamileh Weber neue Arbeiten von Robert Rauschenberg's langjährigem Assistenten und Schüler . Lange Zeit arbeitete auch der Künstler Darryl Pottorf im Banne des grossen Wegbereiters der amerikanischen Pop-Art. Der Einfluss ist offensichtlich und auch beabsichtigt. Mit dem Segen des Meisters scheint Pottorf die von Rauschenberg in den späten Fünfziger und Sechziger Jahren erfundene Bildsprache fortzuführen. Und doch unterscheiden sich die beiden Künstler in ihren Resultaten: Robert Rauschenberg erzählt Bildergeschichten, setzt klar ein Bild neben das andere. Darryl Pottorf hingegen überlagert oft seine Fotografien und erzeugt so Bereiche in seinen Bildern von einer fast abstrakten, malerischen Qualität. Diese Vorgehensweise macht innerhalb des Werkes Darryl Pottorf's Sinn, wenn man sich an seine früheren, ausschliesslich in schwarz-weiss gehaltenen Lexan-Arbeiten erinnert: Mittels mehrerer hintereinander gestaffelten, transparenten Bildträgern erzeugte er in diesen Arbeiten eine ebensolche visuelle Abstraktion und eigentümliche Tiefe. Robert Rauschenberg beschreibt den Bildaufbau Darryl Pottorf's treffend „an archaeological dig that seems to be uncovered within the surface", übersetzt etwa eine Archäologische Ausgrabung, die in der Oberfläche zum Vorschein tritt. Der Arbeitsprozess ist aufwändig: Ausgangspunkt ist Pottorfs eigenes Bildarchiv, gesammelt während seiner ausgedehnten Reisen. Mit wasserlöslichen Tinten erzeugt er Abzüge der ausgewählten Fotografien, um diese dann mit Hilfe von Wasser auf den Bildträger abzureiben. Dieses Abreiben von Hand erlaubt ihm, durch variierenden Druck und Betonung Einfluss auf die Darstellung zu nehmen. Die Bilder sind jeweils aus mehreren Bildfragmenten collagiert. In einem letzten Schritt schliesslich überarbeitet er die Komposition mit Wasserfarbe, Acryl und Bleistift. „In manchen Details fotografisch präzis und als Ganzes doch fragmentiert und aufgelöst, spiegeln Pottorfs Arbeiten überzeugend die heutige Wahrnehmung unserer Welt", bemerkt Martin Kraft treffend in einer Ausstellungskritik in der Handelszeitung (Nr. 20, 19. Mai 1999). Die beiden Ausstellungen dauern vom 23. November 2002 bis 8. Februar 2003. Galerie Jamileh Weber, Waldmannstrasse 6, 8001 Zürich, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr und auf Vereinbarung. Für weitere Informationen und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte die Galerie, Telefon: +41-1-252 10 66, Telefax: +41-1-252 11 32, info@jamilehweber.ch, www.jamilehweber.com |